Andacht

Elia ist alleine in die Wüste geflüchtet. Er ist müde, seines Lebens müde. Er zweifelt, ob er immer das Richtige getan hat. Er will allein sein, er will aufgeben – alles.

 

Ich denke so einiges davon kennen wir auch.

Manchmal sind wir müde, auch müde von den Anforderungen unseres Lebens, müde immer entscheiden zu müssen, was ist das Richtige – jetzt vielleicht besonders.

Und für mich ist es auch die Einsamkeit des Elia, die mich anrührt. Ich kann mir vorstellen, Elia fühlte sich alleine – auch schon bevor er in die Wüste ging.

Und in der Wüste wird es noch klarer: Er alleine in einer unwirtlichen Umgebung. Er mag nicht mehr.

Manchmal geht es uns auch so.

 

Gott gibt Elia Zeit: Alle Gefühle und Wünsche des Elia dürfen an die Oberfläche, dürfen sich in Worte kleiden lassen.

Müde schläft Elia dann ein.

Und: Gott hat seine eigenen Pläne mit Elia:

Der Engel des Herrn rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir! (1. Könige 19,7)

Zweimal kommt der Engel und rührt Elia an.

Diese Berührung fällt mir besonders auf, jetzt, da in unserem Alltag so viel weniger Berührungen stattfinden.

Mir fehlen die alltäglichen Berührungen, die gewohnheitsmäßigen, die spontanen – auch wenn ich sie, wie empfohlen, unterlasse.

Deshalb fällt mir wohl besonders auf: Der Engel des Herrn rührte Elia an.

Wie das wohl ist, von einem Engel berührt zu werden?

Ich stelle mir vor, diese Berührung des Engels ist wie die Berührung durch einen vertrauten, sich sorgenden Menschen.

Durch diese Berührung merkt Elia ganz direkt, dass er nicht alleine ist. Da ist jemand, der seine Not wahrgenommen hat.

 

Und Elia wird mitten in der Wüste liebevoll mit Essen versorgt. Da ist einer, der für mich sorgt.

Viele durften in den vergangenen Monaten diese Erfahrung auch machen. Da ist jemand, manchmal ein Angehöriger, manchmal ein Fremder, der mitten in der Krisen-Wüste Lebensmittel vor die Türe stellt.

Ob dies nicht auch ein Engel war?

Vielleicht sagt Gott ja auch zu uns: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir!

Verliere den Mut nicht, wenn es noch eine Zeitlang durch die Wüste geht. Stärke dich.

Nehme die, manchmal überraschenden, Berührungen wahr.

 

Ich wünsche jedem und jeder von uns, dass sie, dass er immer wieder die Erfahrung macht: Gott sorgt für mich -

mit allem, was ich am nötigsten brauche.

 

Das wünscht Ihnen von Herzen

Ihre Pfarrerin Doris Klimm