Chronik der Wilhelm-Löhe-Gedächtnis-Kirche bis 1985
von Horst Sondershaus zum 25. Jahrestag der Kirchweihe


VORGESCHICHTE:

Der Turm von St. Michael sieht seit dem 14. Jahrhundert weit ins Fürther Umland. Seine Glocken riefen nicht nur die Bürger von Alt-Fürth zum Gottesdienst; sie waren auch drüben im Knoblauchsland zu hören und mahnten, dem Ruf zu Gottes Wort nach St. Michael zu folgen.
Die Bürger von Ronhof und Kronach, seinerzeit zum Kirchensprengel von St. Michael gehörig, ließen sich von den Glocken rufen und nahmen den weiten Weg zu Fuß in Kauf. Ältere Gemeindeglieder in den jetzigen Ortsteilen wissen noch zu berichten, dass man sogar im strengen Winter zur Taufe den Kinderwagen bis nach St. Michael schob.
Kein Wunder, dass man daran dachte,, für den aufstrebenden Stadtteil um die äußere Erlanger Straße und Ronhof und Kronach eine eigene Kirche zu bauen.
Die vom Kirchenrat Paul Fronmüller, 1. Pfarrer in St. Michael, um 1938 angestellten Beratungen und Überlegungen führten zu einem ersten Schritt. In der Flurgemarkung Ronhof wurde eine Waldfläche als Baugrundstück erworben. Pfarrer Fronmüller konnte freilich nicht ahnen, dass es bis zum Bau der Kirche noch 22 Jahre dauern würde. Sein Nachfolger, Kirchenrat Schmelzer, bemühte sich durch Sammlungen um einen finanziellen Grundstock. Doch all diese Bemühungen wurden durch den 2. Weltkrieg unterbrochen und die ersten Pläne von Architekt Fritz Fronmüller ruhten vorerst auf unbestimmte Zeit.
Unmittelbar nach 1945 war an den Neubau einer Kirche nicht zu denken, galt es doch gerade für alle Christen, so auch für die Gemeinde von St. Michael, zuerst den Menschen zu helfen, die durch Bomben oder Vertreibung mittel- und wohnungslos geworden waren.
Erst in den fünfziger Jahren nahm man sich wieder verstärkt des Vorhabens im Nordosten der Stadt an. Der damals zuständige Sprengelpfarrer Winzler, selbst aus Breslau vertrieben, predigte im Ronwald an der Regnitz bei Waldgottesdiensten.
Seit dem Herbst 1955 fand die kleine Gemeinde in der Kindergartenbaracke in der Ronwaldsiedlung alle 14 Tage für Gottesdienste ein Dach über dem Kopf. Die Eheleute Frank aus der Ronwaldstraße, in- zwischen längst verstorben, haben in dieser Zeit mit viel Hingabe freiwillige Mesnerdienste geleistet. Pfarrer Winzler war es auch, der erneut begann, Mark um Mark für das neue Kirchlein zu sammeln. Die Baukosten der neuen Kirche waren auf DM 350.000,- veranschlagt. Die jetzige Wilhelm-Löhe-Gemeinde hat schon damals fleißig beigesteuert. Während Stadtpfarrer Karl Will der Gemeinde von St. Michael vorstand und Architekt Fritz Fronmüller neue Pläne entwarf, nahm sich nun schon der junge Pfarrer Erich Gußmann dieses Teils der Gemeinde an.

DIE NAMENSGEBUNG:

Schon bevor mit dem Bau der neuen Kirche begonnen worden war, überlegte man, welchen Namen sie bekommen sollte. Des gebürtigen Fürther Pfarrers Wilhelm Löhe wurde in einem Festakt am 21. Februar 1958 zu seinem 150 Geburtstag in der St. Michaelkirche gedacht. Damals entstand der Ge- danke, die geplante neue Kirche im Nordosten der Stadt nach ihm "Wilhelm-Löhe-Gedächtnis-Kirche" zu nennen.
Das Gedächtnis an das segensreiche Wirken Wilhelm Löhe's für Diakonie und Äußere Mission, Gottes- dienst und Liturgie sollte dadurch festgehalten werden.
An Wilhelm Löhe erinnert in Fürth die Gedenktafel an seinem Geburtshaus, der "gouden Becki" (Ecke König- und Wilhelm-Löhe-Straße), das Denkmal am Kirchenplatz von St. Michael und nun der Name der neuen Kirche. Zu seinem 100. Todestag am 2.1.1972 erschien übrigens eine Sonderbriefmarke in den Fürther Farben weiß-grün mit dem Titel: "Diakonie".

ÄUSSERE GESTALTUNG DER KIRCHE:

 

Löhe ist wohl am bekanntesten durch seine diakonische Arbeit in Neuendettelsau geworden. Diese nach außen wirkende Seite des Glaubens wurde am Portal der Kirche dargestellt. Auf zwei breiten Bronzetafeln hat der Nürnberger Bildhauer Heinz Heiber die so genannten sechs Werke der Barmherzigkeit gestaltet. Jeder, der durch dieses Portal geht, wird daran erinnert, dass es einen Glauben ohne die Werke der Liebe nicht geben kann - und seien es nur die kleinen barmherzigen Handreichungen am Nächsten, von denen Christus bei Matthäus 25,35ff spricht. So entläßt uns das Portal mit der dringlichen Aufforderung: Seid Täter des Wortes und nicht Hörer allein!

INNERE GESTALTUNG:


Das Kirchenschiff:
Die gesamte Altarwand des nur 11 x 13 m großen Innenraumes ist mit gelbbraunen Schamottplatten verkleidet. Dies gibt, zusammen mit den beiden hochsitzenden farbig verglasten Fensterbändern aus Betonornamenten, unserer Kirche einen warmen, intimen Charakter. Auf dem Kirchengestühl finden etwa 140 Personen Platz, auf der seitlichen und rückwärtigen Empore weitere 70. Durch die Bestuhlung und Einbeziehung eines durch eine Schiebetüre abgetrennten kleinen Saales kann das Fassungs- vermögen auf über 300 Sitzplätze erhöht werden.

Die Altarwand


An der Altarwand ist die Einsetzung des Heiligen Mahles durch Christus von dem Nürnberger Künstler Herbert Bessel dargestellt worden. Wir sind eingeladen, in den Kreis der Jünger Jesu am Tisch des Herrn einzutreten. Wilhelm Löhe fand im Altarsakrament das tiefste Geheimnis des Glaubens und der Liebe Gottes zu uns.


Der Taufstein (nachträglich ergänzt von Pfarrer Erdmann am 7.12.2010)

Der Taufstein wurde am 5. August 1960 in der Kirche aufgestellt, den der Fürther Steinmetzmeister Amesöder gestiftet und nach Plänen des Nürnberger Künstlers Herbert Bessel gefertigt hat.
Der einfach gehaltene Taufstein ist aus Sandstein, fast einen Meter hoch, bei einem oberen Durchmesser von 90cm und einem Gewicht von sechs Zentnern.
Der Deckel, - umgedreht dient er als Taufschale - , trägt oben als Griff den geschwungenen Leib eines Fisches, aus dessen Maul eine menschliche Gestalt hervorschaut. Es ist die Darstellung des alttestamentlichen Jona, der im Bauch des Walfisches vor dem wassertod gerettet wurde. Ein Sinnbild an dieser Stelle dafür, dass die Wassertaufe vom Tod rettet ins ewige Leben. So sagt auch die Umschrift: "Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden." (Mk 16,16)

Der Oster- und Taufleuchter (nachträglich ergänzt von Pfarrer Erdmann am 7.12.2010)
Es ist ein alter kirchlicher Brauch, die Osterkerze in der Zeit von Ostern bis Himmelfahrt als Teichen für die Anwesenheit des auferstandenen Christus unter seinen Jüngern zu entzünden. "Ich bin das Licht der Welt" und "ihr seid das Licht der Welt" spricht Christus. Deshalb brennt diese Kerze auch bei der Taufe, die ja den Menschen als "Wiedergeborenen" unter Christi Herrschaft stellt. Der schwere Bodenstandleuchter aus Bronze trägt ein von den Christen übernommenes Symbol für die Auferstehung: den aus den Flammen sich erhebenden Vogel Phönix. Die Anschaffung des Leuchters wurde, wie manches andere, durch eine Konfirmandengruppe ermöglicht.

BAUZEIT:


Am 24.5.1959 wurde unter großer Beteiligung der Gemeinde mit der Losung des Tages: "Suchet den Herrn, so werdet ihr leben" (Amos 5,6) der Grundstein an der Kronacher Straße gelegt. Die Gedenktafel, rechts neben dem Eingang zur Kirche, erinnert an jenen denkwürdigen Tag. Die Kassette im Grundstein enthält: Bibel, Katechismus, Gesangbuch, ein Buch über Wilhelm Löhe, Tageszeitungen, Münzen und die Grundsteinlegungsurkunde aus Pergament, unterschrieben von Dekan Rieger, Stadtpfarrer Karl Will, Kirchenvorsteher Johann Sippel und Pfarrer Erich Gußmann. Der Feier wohnten auch Oberbürgermeister Dr. Hans Bornkessel und Architekt Fritz Fronmüller bei.
Schon bei der Planung wurde versucht, die Kirche in den vorhandenen Waldbestand einzupassen, um damit ein kleines Stück des ehemaligen Ronhofer Waldgebietes zu erhalten, das früher bis zur Mauerstraße reichte.
Rasch ging der Bau voran und die Umrisse des Kirchenschiffes wurden erkennbar. Bald lugte der Turm mit seinen 21,5 m Höhe über den Waldbestand hinaus. Mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgten die Gemeindeglieder den beginnenden Innenausbau und die Einzelgestaltung.

DAS RICHTFEST:

 

Die Freude war groß, als schon nach 5 Monaten Bauzeit am 23. Oktober 1959 das Richtfest gefeiert werden konnte. Zimmermeister Hans Herath sprach vom Turm herab den Richtspruch:
Nach Handwerksbrauch und deutscher Art
zu sagen was mein Herz verwahrt,
steh ich als Zimmermann an diesem Orte,
den Turm zu weihen und die Pforte,
die Gott zur Ehr, dem Handwerk zum Preis,
gerichtet wird mit allem Fleiß!
So steh' denn Turm, den Menschen zur Freude, steh fest für immer und prächtig wie heute, lass mahnend dein Zeichen zu Herzen dringen, viel frommen Betern die Glocken klingen, steh felsenfest, Gott schütze dich vor Sturm und Wetter ewiglich!
Hoch lebe jeder, der sich mit uns heute, von ganzem Herzen des Kirchbau's freute!
Eine große Schar Gemeindeglieder nahm am Richtfest teil und rief mit dem Zimmermeister ihr "hoch- hoch-hoch".

DIE GLOCKEN:


Der Guss der Glocken wurde der Glockengießerei Schilling, Heidelberg, in Auftrag gegeben. Stadtpfarrer Will, Pfarrer Gußmann, Diakon Genhäuser und ein Reporter der Fürther Nachrichten waren dabei, als der Glockengießermeister vor dem Schmelzofen niederkniete und Stadtpfarrer Will das Gebet zum Glockenguß sprach.


Am 22. August 1960 kam dann der Tag der Glockeneinholung. Auf dem Kirchenplatz von St. Michael wurde der Wagen mit den vier Glocken festlich geschmückt. Landwirt Johann Sippel mit Sohn Christoph brachten mit einem stattlichen Doppelgespann Ronhofer Pferde die Glocken bis zur Einmündung der Kronacher Straße. Hier wurden sie von Pfarrer Gußmann mit einer großen Zahl von Gemeindegliedern erwartet und zu einem Dankgottesdienst am Kirchbauplatz geleitet. Drei der vier Glocken wurden von hochherzigen Spendern gestiftet, ebenso wie der Taufstein und der Abendmahlskelch.

DIE ORGEL:


Sie wurde am 19. März 1961, also erst ein halbes Jahr nach der Kircheneinweihung, in Dienst genommen. Auf der rückwärtigen Empore fügt sie sich gut in den gesamten, asymetrischen Baukörper ein. Sie stammt von der Orgelbaufirma Walcker, Ludwigsburg. Die 14 Register und 974 Pfeifen bieten viele Möglichkeiten, die Gemeinde bei Lied und Liturgie zu begleiten. Die vereinigten Kirchenchöre von Stadeln und Wilhelm-Löhe-Kirche unter Leitung von Kurt Engel gaben der Orgelweihe einen festlichen Rahmen.


EINWEIHUNG DER KIRCHE AM 18. SEPTEMBER 1960


Die Fürther Nachrichten schrieben in ihrer Ausgabe vom 19. September 1960: "Von allen Seiten ström- ten die Menschen herbei, um die erhebenden Stunden der Kirchweihe mitzuerleben. Am Vormittag; bei der eigentlichen Weihe der Wilhelm-Löhe-Gedächtnis-Kirche, wie auch am Nachmittag bei der Nachfeier, war kaum noch ein Stehplatz, geschweige denn ein Sitzplatz zu finden".
Dies war wohl ein Zeichen, mit welch großer Freude der Stadtteil im Nordosten Fürth's der Kirchweih entgegensah. Pfarrer Erich Gußmann konnte denn auch mit der Gemeinde eine große Zahl von Gästen willkommen heißen: Dekan Christian Rieger, Kreisdekan Dr. Eugen Giegler, Kirchenrat Dr. Karl Meyer, Konrektor Pfarrer Hilmar Ratz aus Neuendettelsau, Stadtpfarrer Karl Will, Pfarrer Gußmann sen., Oberbürgermeister Dr. Bornkessel und Bürgermeister Hans Segitz, Rechtsrat Kurt Scherzer und viele weitere Vertreter aus Kirche und Politik.
Die Schlüsselübergabe erfolgte von Regierungsbaumeister Fritz Fronmüller an Dekan Rieger und von ihm an Pfarrer Erich Gußmann. Dekan Rieger hielt die Festpredigt unter dem Bibelwort Hebräer 13, 7-9 "Gedenket Eurer Lehrer". Er betonte hierbei, dass dieses Gotteshaus mit seinem Namen wohl das' Gedenken an Wilhelm Löhe festhalte, aber wie jede christliche Kirche allein zur Ehre des Herrn Christus errichtet sei.
Frau Kirchenmusikdirektorin Frieda Fronmüller hatte für die Weihe der Kirche eigens eine Choralkantate "Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut" komponiert, die an diesem Tag uraufgeführt wurde. Die Glokken wurden zunächst einzeln und dann zusammen zu ihrem ersten Geläut aufgerufen.
Am Nachmittag brachte der Stadelner Kirchenchor unter Leitung von Kurt Engel die Kantate "Alles was ihr tut mit Worten oder mit Werken" zu Gehör. Auch der Poppenreuther Posaunenchor wirkte mit.
Am 11. Dezember 1960 beschloss eine Gemeindeversammlung, die kirchenrechtliche Trennung von der Muttergemeinde St. Michael zu beantragen. Mit Urkunde vom 16. Nov. 1961 ist die Kirchengemeinde Wilhelm-Löhe-Gedächtnis-Kirche selbständig geworden.

BAU DES GEMEINDEHAUSES:


Schon beim Bau der Kirche war bedacht worden, dass bald auch ein Gemeindehaus errichtet werden müsste. Um aber zumindest für die Jugend Platz zu finden, wurden gleichzeitig mit dem Kirchenbau wenigstens die Kellerräume erstellt. Bibelstunden und größere Veranstaltungen mussten damals noch im Saal der Gastwirtschaft Engelhardt in Ronhof stattfinden. Wieder spendete die junge Löhe-Gemeinde, um auch den Bau des Gemeindehauses mitzufinanzieren. Am 5. Jahrestag der Kirchenweihe, am 19. Sept. 1965, konnte das neue Gemeindehaus seiner Bestimmung durch Dekan Rieger übergeben wer- den. Nun hatten die verschiedenen Gruppen und Kreise der Gemeinde ihr Zuhause und die Arbeit konnte intensiviert werden.

KIRCHENVORPLATZ:


Noch harrte der Kirchenplatz seiner endgültigen Gestaltung. Der Kirchenvorstand beschloss 1981 die Pflasterung des Vorplatzes, Schaffung eines Parkplatzes und eines Brunnens, sowie einer Ruhezone. Steinbildhauer Heinz Siebenkäß aus unserem Gemeindegebiet fertigte den Brunnen aus rotem Granit. Auch bei der Gestaltung des Brunnens wurde wieder auf das Wirken von Wilhelm Löhe Bezug genommen. Dargestellt sind die paradiesischen Segensströme, die vom Kreuz aus in alle Welt gehen. Ein Symbol für die christliche Mission.

TURMRENOVIERUNG:

Nach der schönen Gestaltung des Vorplatzes galten alle Bauarbeiten als abgeschlossen. Doch bald kam auf die Gemeinde eine unvorhergesehene Aufgabe zu. Der erst 22 Jahre alte Turm zeigte bedenkliche Risse. Umwelteinflüsse hatten am Beton erhebliche Mängel verursacht. Zum Leidwesen der Gemeinde mussten die Glocken für ein Jahr verstummen. Mit einem Kostenaufwand von ca. DM 160.000,- wovon die Gemeinde DM 60.000,- aufbrachte, wurde der Turm renoviert und die Glocken statisch günstiger aufgehängt. Am ersten Advent 1983 konnten die Glocken wieder zum Gottesdienst und Gebet rufen.
Wenn wir jetzt, nach 25 Jahren, Rückschau halten, so ist festzustellen, dass sich das Gemeindegebiet wesentlich verändert hat. Große Teile landwirtschaftlicher Nutzflächen fielen dem Bau des Frankenschnellweges zum Opfer. In der Folge mussten weitere Straßen gebaut und Flächen als Wohngebiete ausgewiesen werden. So entstanden vor allem um die Carlo-Schmid-Straße, aber auch in der unmittelbaren Umgebung von Alt-Ronhof viele neue Wohnhäuser, Gewerbeflächen, das neue Gelände des Tuspo und die Schule an der Carlo-Schmid-Straße.
Auch dieser stark veränderten Gemeinde möchte die Wilhelm-Löhe-Gedächtnis-Kirche als Mittelpunkt christlichen Lebens dienen. Im Eingang der Kirche brachte Steinbildhauer Heinz Siebenkäß eine Steinplatte mit den Worten aus Psalm 121 Vers 8 an: "Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang".
Mögen diese Worte für viele Generationen im christlichen Glauben und Handeln und im äußeren Frieden und Freiheit gelten. Alle Gemeindeglieder sind aufgerufen, dieses Gotteshaus, geschaffen mit viel Opfer der Gemeinde, zu bewahren und zu Gottes Ehre mit Leben zu erfüllen.

 

Chronik der Wilhelm-Löhe-Gemeinde 1986 bis 2000
von Erich Gußmann zum 50. Jahrestag der Kirchweihe

Unser unvergessener ehemaliger Kirchenvorsteher Horst Sondershaus hat die Chronik für die frühere Festschrift „25 Jahre Löhekirche“ verfasst. Diese Jahre waren sozusagen die Gründerjahre, in denen die meisten großen Bauprojekte wie Kirche, Gemeindehaus, Kirchenplatz, Pfarrhaus verwirklicht wurden.
Die folgenden 25 Jahre standen vorwiegend unter dem Zeichen der Konsolidierung.

Das Programm der Gemeinde

Das Leben der Gemeinde in den neu geschaffenen Räumen sollte wachsen und gedeihen. Weitere Formen der Gemeindearbeit wurden erprobt.
Ein ganz neuer Versuch in dieser Richtung war z.B. im November 1986 die Aktion „Gott in Ronhof“. Abende der Begegnung führten bei Vorträgen und Gesprächen die alteingesessenen und in den Neubauten zugezogenen Gemeindeglieder zusammen. Dazu gehörten selbstverständlich auch die aus Siebenbürgen oder Russland stammenden Evangelischen. Glaube und Gemeinde soll allen nahe gebracht werden. Menschen sollen Hilfe in ihren Notlagen erfahren. Dazu wurde im September 1991 der Diakonieverein für die häusliche Krankenpflege gegründet. Die Gottesdienste, die vielerlei Gruppenangebote und der diakonische Dienst in der Gemeinde, aber z.B. auch in den Bruckberger Heimen, sollen das Zusammenleben der Menschen im Glauben und in der Liebe stärken, so wie es einst auch unser Namenspatron, Pfarrer Wilhelm Löhe, gewollt hat.

Traditionelle und neue Gottesdienstangebote

Der Gottesdienst bleibt die Mitte einer christlichen Gemeinde, auch wenn er nun gelegentlich in anderen Formen gefeiert wird, z.B. als meditative Andacht, als Familiengottesdienst, als Zelt- oder als Zielgruppengottesdienst für Jugendliche oder Krabbelkinder. Neue Formen werden auch im Kindergottesdienst versucht. Seit 1989 wird der Martinstag mit Kindern und Eltern in der Kirche und bei einem Laternenumzug begangen. Zur zehnten Kinderbibelwoche im Herbst 1993 wurden erstmals auch die Kinder von St. Christophorus eingeladen. Seitdem wird sie ökumenisch und mit großem Zulauf veranstaltet. Das Feierabendmahl wurde einige Jahre in der Oster- und Adventszeit als Tischrunde mit anschließendem gemeinsamem Essen begangen. In Zeiten der Kriegsgefahr wurde zu Gebetsgottesdiensten für den Frieden eingeladen. Alljährlich im März zum ökumenischen Weltgebetstag und mindestens einmal jährlich zum ökumenischen Gottesdienst kommen die Löhe- und die katholische Nachbargemeinde St. Christophorus zusammen.
An der Fastenaktion der evangelischen Kirche in Deutschland: „Sieben Wochen ohne“ beteiligen sich seit 1991 auch einige unserer Gemeindeglieder. Seit März 1997 wird die Osternacht in der Löhekirche gefeiert mit anschließendem Osterfrühstück. Statt früher einem Gottesdienst am Heiligen Abend gibt es seit 1986 drei.
Aus den ehemaligen Wochengottesdiensten wurde seit Juni 1997 der „Abendsegen“ am letzten Sonntag im Monat. Die Beichtgottesdienste ,Passionsandachten, Bibelwochen oder die Ronhofer Bibelstunden, die vor 50 Jahren einmal die Keimzelle zur Gemeindebildung waren, fanden in dieser Form keinen Zuspruch mehr. Aber auch sie tauchen z.T. unter anderem Namen wieder auf, z.B. als ökumenische Bibelgespräche.


Altbewährte und neue Gruppen und Kreise

Um die Gestaltung der Gottesdienste und Feste macht sich der Kirchenchor seit Advent 1960 verdient. Am längsten, nämlich 13 Jahre, wurde er von Herrn Lehmann geleitet.. In Zeiten ohne eigenen Chorleiter sprang immer wieder Herr Engel ein. All die Jahre wurde der Chor zusammengehalten von der Chormutter, Frau Burkhardt.Der Posaunenchor bläst seit 1977, nahezu 20 Jahre unter der Leitung von Herrn Förder. Der Kleinchor singt seit 1985 mit Pfr.i.R.Gußmann. Alle drei Musikgruppen sind, um weiter bestehen zu können, dringend auf neue Mitwirkende angewiesen. Vorhandene Orffinstrumente warten auf Kinder, die sie wieder aus dem Tiefschlaf wecken. Instrumentalisten aller Art sind jeder Zeit herzlich willkommen. 1997 gab es für ein paar Jahre sogar eine eigene Band mit Pfarrer z.A Dörflein.
Der Kirchen- und Posaunenchor gestalten hin und wieder Konzertabende in der Kirche. Besonders in der Adventszeit wurden auch auswärtige Gruppen eingeladen wie die „Meistersänger von Nürnberg“ oder die „Regnitztaler Saitenmusik“.
Der Feierabendkreis für ältere Gemeindeglieder kommt seit über 40 Jahren monatlich zusammen; die wöchentliche Seniorengymnastikgruppe mit Frau Eva Dietze lockert seit April 1988 die rostenden Gelenke.
Der Frauenkreis, 1962 von Frau Gußmann gegründet, widmet sich seit 1993 mit Frau Autenrieth gerne literarischen Themen, aber kümmert sich auch um den Schmuck des Osterbrunnens, den in unserer Gemeinde besonders reich bedachten Erntedankaltar und den großen Adventskranz in der Kirche.
Im Laufe der Jahre wurde die Kinder- und Familienarbeit weiter verstärkt. Eltern mit Babys, Krabbelkinder, Spiel+ Spass-Gruppe mit Sini Ungar, treffen sich regelmäßig im Gemeindehaus. Am 3. Oktober 1984 wurde durch Frau Schoenauer der erste Mutter - und Kindkreis gegründet. Elternabende begleiteten diese Gruppe thematisch.
Verschiedene Gruppen mit Kindern und Jugendlichen kommen unter der ehrenamtlichen Leitung engagierter junger Menschen zusammen. 1992 wurde der Gemeinde ein Jugenddiakon zugeteilt, Herr Mattern. Aber er hatte insgesamt vier Stadtrandgemeinden zu betreuen und war nur wenige Jahre hier. Laienspielaufführungen organisierte in den Anfangsjahren unserer Gemeinde Frau Hofmann mit dem Mädchenkreis. Nach längerer Pause lebte die Spiellust zum Gaudium aller bei Gemeindefesten wieder auf mit verschiedenen Vikaren und Erwachsenen als Darstellern.
Alle Mitarbeiter in der Gemeinde werden seit Januar 1995 zu einem gemeinsamen Jahresempfang mit Jahresrückblick und gemeinsamem Essen eingeladen, bei dem sich die verschiedenen Gruppen besser kennen lernen und austauschen können.

Und noch einmal wurde gebaut.

Besonders das erweiterte Programm für Familien und Jugendliche machte auch eine Erweiterung der Räumlichkeiten notwendig. Ab 1990 begann die Planung für ein größeres Gemeindehaus. Zunächst aber stand 1991 die Innenrenovierung der Kirche an, in deren Verlauf die Holzdecke im Kirchenschiff eingezogen wurde. Später wurde das Außendach aus asbesthaltigem Eternit durch ein Kupferdach ersetzt. Die Schalllöcher in der Glockenstube wurden verkleidet, um die Lautstärke der Glocken zu dämpfen.
Im Spätherbst 1991, nach 20-monatiger, wechselvoller Planungszeit, begann dann endlich der Neubau am Gemeindehaus, der das bisherige Raumvolumen etwa verdoppelte. Mit großem Einsatz begleitete der Kirchenvorstand, besonders unser damaliger, unermüdlicher Vertrauensmann Herr Daut, den Bau. Die Einweihung fand am 20. September 1992 durch Dekan Markert bei einem großen Gemeindefest statt. Die Gemeinde hatte wieder so eifrig gespendet, dass ihr Finanzierungsanteil bereits getilgt war.
Das letzte Bauvorhaben war im folgenden Jahr der Anbau am Pfarramt in der Emdener Straße, der Platz schaffte für eine moderne Verwaltungsarbeit.

Abschied und Neubeginn

Von Personen, die die Löhe-Gemeinde lange begleitet haben, soll hier noch die Rede sein. Zunächst gedenken wir der Verstorbenen.
Frau Pfann (+ 1993) war von der Kircheneinweihung 1960 bis September 1989 unsere stets rührige Mesnerin. Sie hat mit großer Liebe unser Gotteshaus gepflegt, hat für Blumenschmuck am Altar gesorgt und ist immer freundlich auf die Menschen zugegangen . Mit über 81 Jahren beendete sie ihre Tätigkeit. Die Fortführung dieses Dienstes liegt seitdem bei Frau Göttfert in guten Händen.
Frau Engel (+2005) waltete als Organistin und Leiterin des liturgischen Chors mit den Konfirmandinnen ihres Amtes fröhlich und überaus zuverlässig rund 30 Jahre lang. Ihr Mann sitzt heute noch zuweilen an der Orgelbank der Löhe-Kirche.
Dekanatsjugendleiter Diakon Hoyer (+ 1994) betreute die konfirmierten Jugendlichen seit 1966 bis zu seinem Ruhestand im September 1988 und darüber hinaus. Von seinen Fahrten und Freizeiten schwärmen viele heute noch. Jedes Jahr baute er mit vollem Einsatz die Tombola zugunsten der „Aktion Brot für die Welt“ im Gemeindehaus auf.
Herr Sondershaus (+2002) war über Jahrzehnte einer unserer rührigsten Kirchenvorsteher. Auf seine Anregung und Mitarbeit geht manches zurück, was heute selbstverständlich für uns ist.
Herr Drechsler (+2007), um stellvertretend für viele wenigstens noch einen von zahlreichen freundlichen ehrenamtlichen Mitarbeitern zu nennen, war Jahrzehnte mannigfach engagiert im Kirchenvorstand, Chor, Gesprächskreis, und mit viel Witz in der Laienspielgruppe.
Sie und viele andere Menschen, z.B. jahrelange treue Gemeindehilfen mit dem Monatsgruß, können hier nicht alle namentlich aufgezählt werden; aber wir wollen sie dankbar in Erinnerung behalten.

Am 1. Advent 1983 begann Vikar Dr. Gerhard Schoenauer die inzwischen lange Reihe der Lehrvikare an der Löhe-Kirche (ihm folgten Christoph Lezuo, Jürgen Singer, Martin Reutter, Michael Nachtrab, Annette Dörflein, Anm.d.Red.). Leider bleiben die Vikare jeweils nur etwa zweieinhalb Jahre in einer Gemeinde. Aber alle brachten neue Ideen und Anregungen in unsere Gemeindearbeit ein, z.B. in der Familienarbeit, in der Jugendarbeit, in der Gottesdienstgestaltung. Manche hätten wir am liebsten gleich ganz da behalten.
Ab 1. Februar 1992 genehmigte das Landeskirchenamt eine zusätzliche 50%- Stelle für die Löhe-Gemeinde. Der erste „Halbe“ war Pfr. z.A. (d.h. „zur Anstellung“) Christian Fait. Ein neuer Dienstplan und eine neue Einteilung der Sprengel, d.h. der Seelsorgebezirke, für die die Pfarrer fortan zuständig waren, wurde erstellt. Pfarrer Fait hat u.a. die Feier der Osternacht bei uns eingeführt. Im Januar 1996 trat er eine eigene Pfarrstelle im Schwäbischen an.
Bei dem Gemeindefest am 22. September 1996 wurde sein Nachfolger, Pfarrer z.A. Volker Dörflein, der Gemeinde vorgestellt. Auf ihn geht der gern besuchte Abendsegen am letzten Sonntag im Monat zurück. Er hat auch Willi, der Kirchenmaus, Unterschlupf im Monatsgruß verschafft.
Menschen kommen und gehen – manchmal erst nach vielen Jahren. Am Tag der Einweihung des neuen Gemeindehauses am 20. September 1992 wurde Pfarrer Erich Gußmann in den Ruhestand verabschiedet. Schon einige Jahre vor Erbauung unserer Kirche war er als Pfarrer von St. Michael Seelsorger in unserem Gemeindegebiet. „So hatte ich die seltene Gelegenheit über die Jahre an sämtlichen Bauvorhaben in der Gemeinde beteiligt zu sein, den Aufbau des Lebens der neu gegründeten Gemeinde zu fördern und viele Menschen in Freude und Leid zu begleiten. Das erfüllt mich bis heute mit großer Dankbarkeit.“ (Zitat Pfr. Gußmann bei seiner Verabschiedung).


1992 wurde als Nachfolger Pfarrer Reinhold Autenrieth eingeführt. Er und seine Frau wurden im Gottesdienst am 2. Advent begrüßt. Ihm oblag nun die Weiterführung der Gemeinde mit allen ihren Aktivitäten, wobei ihm auch seine Frau tüchtig zur Seite stand. Er hat die ökumenischen Beziehungen zur Christophoruskirche vertieft, zusammen mit seinem katholischen Amtsbruder Pfarrer Wuchterl. Im Januar 1996 wurde ein ökumenischer Arbeitskreis gegründet. 1994 wurde die neue per Funk gesteuerte Turmuhr eingebaut und eine umfassende Orgelrenovierung durchgeführt. 1999 mussten die sich gefährlich von der Altarwand lösenden Platten neu verankert werden. Pfarrer Autenrieth eröffnete im gleichen Jahr dem Pfarrbüro das Computerzeitalter mit einem Atari-Rechner aus seinem Bestand. Dann nahte auch für ihn der Ruhestand, den er leider nur noch wenige Jahre genießen konnte.
2000: Die Erdmanns kommen.

 

Chronik der Wilhelm-Löhe-Gemeinde 2000 bis 2010
von Klaus Erdmann zum 50. Jahrestag der Kirchweihe


Die Geistlichkeit

Das Jahr 2000 begann für die Gemeinde mit einem großen Umbruch in der Pfarrer(Innen)schaft. Aus den Bewerbungen auf die 1. Pfarrstelle fiel die Wahl des Kirchenvorstandes auf das Ehepaar Christiane Lehner-Erdmann und Klaus Erdmann. Die Besetzung der nach dem Weggang des Ehepaares Dörflein nun offiziell als 2. Pfarrstelle ausgeschriebenen Stelle erfolgte erst im September 2001 mit Pfarrerin Brigitte Struzyna. Ergänzt wurde das Team in den Folgejahren durch Vikar Martin Popp-Posekardt , Vikarin Kerstin Woudstra, geb. Drenckhahn und Vikar Benjamin Schimmel jeweils mit Pfarrer Erdmann als Mentor.

Chronologie der PfarrerInnen

ab Juli 2000______________Pfarrerin Christiane Lehner-Erdmann und Pfarrer Klaus Erdmann
Mai 2001 – Aug. 2001______Pfarrer Ekkehard Wohlleben (Vertretung
2. Pfarrstelle)
ab Sept. 2001____________Pfarrerin Brigitte Struzyna übernimmt die zweite 0,5-Pfarrstelle
ab Sept. 2002____________Vikar Martin Popp-Posekardt
ab März 2005____________Vikarin Kerstin Woudtsra
ab März 2008____________Vikar Benjamin Schimmel
ab Dez. 2006_____________Pfarrer Klaus Erdmann übernimmt die 1. Pfarrstelle allein, Pfarrerin Christiane Lehner Erdmann wechselt auf die zweite 0,5-Pfarrstelle nach Stadeln
ab Sept. 2011____________Vikar Markus Hansen
ab Mai 2012_____________Pfrin. Brigitte Struzyna wechselt auf die 2. Pfarrstelle nach Nürnberg St. Jobst
ab Sept. 2012____________Pfarrerin Stefanie Reuther übernimmt die zum Pfarrvikariat umgewandelte zweite 0,5-Pfarrstelle in Ronhof als auch die zweite 0,5-Pfarrstelle in Stadeln

Kirchenvorstand und Gemeindeentwicklung

Im Oktober 2000 stand gleich die erste Kirchenvorstandwahl für das neue Pfarrersehepaar an. Mit dem neuen Gremium entschloss man sich im Oktober 2001 zu einer Gemeindeberatung, um mehr Klarheit in der Gemeindearbeit zu erlangen. Was tun wir, was sollen wir tun, warum und für wen? waren dabei die Ausgangsfragen.
Begleitet wurde der Kirchenvorstand dabei von zwei kompetenten Beraterinnen der Gemeindeakademie in Rummelsberg. Das Ergebnis des achtmonatigen Prozesses wurde in einem Leitbild zusammengefasst, das auch heute noch der rote Faden und das Kriterium unserer Gemeindearbeit ist.

Das Evangelium von Jesus Christus ist die Basis unserer Gemeindearbeit:
Wir erfahren die Kraft des Evangeliums als Antrieb für unsere Arbeit in der Gemeinde. Es hält uns als Gemeinde zusammen.
Es ist unsere Mitte, wenn wir in gegenseitiger Achtung um Wahrheit ringen.
Das Evangelium bezeugen wir im Reden, Handeln und Leben. Dabei sind wir nicht frei von Fehlern/Sünde und deshalb angewiesen auf Gottes Gnade.
Das Evangelium ist Gottes einladendes Angebot an uns. Das wollen wir weitergeben:
Wir wollen Räume schaffen, in denen Menschen ihren je eigenen Frömmigkeitsstil leben und im Glauben wachsen können. Ein wesentlicher Beitrag dazu sind liebevoll gestaltete Gottesdienste.
Wir wollen Räume schaffen, in denen Menschen einander begegnen, wo sie Nähe und Wärme finden können.
Wir wollen durch unser Leben andere ermutigen, der Kraft des Evangeliums zu trauen. Dabei ist uns wichtig Menschen in ihren jeweiligen Lebenssituationen zu unterstützen.

Weitere Ergebnisse waren die Neugestaltung des Gemeindeteils des Monatsgrußes als „Gemeinde-aktuell“, ein neues Logo und die Erstellung einer eigenen Home-Page im Internet.
Hiermit trug der Kirchenvorstand auch dem Wandel des Stadtteils und der Bevölkerungsstruktur der vorangegangenen Jahre Rechnung. So schrieb Pfarrer Erdmann nach Abschluss der Gemeindeberatung im Juni 2002:
„Die wichtigste Erkenntnis: Ronhof-Kronach ist der wahrscheinlich heterogenste, verschiedenartigste Stadtteil von ganz Fürth. Das zeigt sich schon am äußeren Erscheinungsbild, in dem sich ausdrückt, welch starken strukturellen und sozialen Veränderungen Ronhof-Kronach in den letzten 75 Jahren nach der Eingemeindung immer wieder unterworfen war.
Durchschnitten und geteilt von der Tangente, auf der einen Seite zwei landwirtschaftlich geprägte, in sich geschlossene Dörfer, mit regem Vereinsleben und traditionell hoher kirchlicher Verbundenheit - auf der anderen Seite haben wir anonyme Wohnblocks mit sozialen Brennpunkten. Dann ist da ein typisches Stadtrandwohngebiet mit vielen Ein- und Zweifamilienhäusern zwischen Erlanger Str. und Laubenweg/Kronacher Str. mit sehr guter Infrastruktur. Dort wohnen vor allem Selbständige und Beamte. Dann finden wir wieder Blocks in der Flur-, Storchen-, Mauer- und Langhansstrasse. Dort wohnen vor allem auch viele russlanddeutsche Gemeindeglieder. Dazwischen gibt es dann wieder ganz neue Reihenhaussiedlungen mit jungen Familien, wie z.B. am Gewendeweg oder an der Bremer Straße. Schließlich haben wir noch zwei in sich geschlossene Wohnbereiche mit ganz eigenem Charakter: Den Siedlungsverein Elsterstraße und natürlich die Ronwaldsiedlung. Das räumliche Zentrum heute ist das Gebiet der Löhekirche. Der starke Wandel und die Entwicklung unseres Stadtgebietes wird auch deutlich, blicken wir auf die Bevölkerungsstruktur:
Waren es 1927 bei der Eingemeindung 502 Einwohner, sind es heute über 4800, von denen knapp 2800 evangelische sind. Ein Großteil unserer Mitbürger- und Mitbürgerinnen haben ihre Wurzeln und Traditionen in und aus Siebenbürgen, Ukraine, Kasachstan, Russland und andere.
Wir sind ein junger Stadtteil: Ein Drittel unserer Bevölkerung ist unter 25 Jahre, es leben in Ronhof-Kronach am zweitmeisten Jugendliche von allen Stadteilen Fürths, nur 20% sind Rentner.
Und noch eine Sache ist bemerkenswert, aber auch alarmierend: die Sozialquote bei uns, die sich aus Ausländeranteil, Arbeitslosigkeit, Jugendarbeitslosigkeit, Sozialhilfebezug, Erziehungsfälle, Ermittlungsverfahren bei Jugendlichen, Anzahl der Alleinerziehenden berechnet, ist sehr hoch.
An dieser großen Entwicklung und Verschiedenheit und Buntheit wird aber positiv noch etwas ersichtlich: Ronhof-Kronach ist ein Stadtteil mit einer großen integrativen Kraft. Und das liegt an den Menschen die hier wohnen, denen Werte und Solidarität wirklich noch etwas Wert sind.“

War es dem Kirchenvorstand der Wahlperiode 2000-2006 möglich, die vorhandene Gemeindearbeit zu profilieren und zu erweitern sowie notwendige Sanierungen und Erneuerungen an den gemeindlichen Gebäuden vorzunehmen, steht der neue Kirchenvorstand seit 2006 vor der Herausforderung, den Bestand angesichts massiver finanzieller und personeller Einschnitte zu sichern. Wobei der persönliche Einsatz aller Männer und Frauen des Kirchenvorstandes in der Gemeinde neben der Gremienarbeit besondere Anerkennung verdient.

Chronologie des Kirchenvorstandes seit 2000

1994-2000______________ Marga Auer, Reinhard Brandstätter, Karl Daut, Renate Fibranz, Christian Herath, Renate Ottenberg, Ernst Schmitz, Gerd Seidel, Horst Sondershaus, Anni Vanek (11/1996 nachgerückt für Rosita Mörtel)

2000-2006_____________Jürgen Böhmetzrieder, Brigitte Brandstätter (4/2003 nachgerückt für Renate Ottenberg), Reinhard Brandstätter, Renate Fibranz, Renate Groos, Christian Herath, Ernst Schmitz, Sibylle Schwara, Klaus Ströhlein, Karola Ziegler (6/2005 nachgerückt für Iris Ruff)

seit 2006______________Jürgen Böhmetzrieder, Reinhard Brandstätter, Renate Fibranz, Christian Herath, Sabrina Hofmeister-Kolb (10/2010 nachgerückt für Thomas Beier), Sibylle Schwara, Elisabeth Seischab-Schell, Kristina Steiger, Klaus Ströhlein, Karola Ziegler; als engagierte Ersatzfrau Ingrid Steudtner


Jugendarbeit

Am 9. Sept. 2000 endete das Allmächd in den Fürther Nachrichten von Pfarrerin Lehner-Erdmann über Jugend 2000 mit dem Jesus-Zitat: „Lasst die Kinder zu mir kommen und schickt sie nicht weg, denn ihnen gehört das Reich Gottes!“ Und sie schrieb weiter: „Ich kann nur den Platz vor der Wilhelm-Löhe-Gedächtniskirche anbieten …“
Am nächsten Tag war der Kirchenplatz von der Jugend in Besitz genommen und das „Jugendprojekt an der Löhekirche“ war geboren. Zunächst einmal mussten die Rahmenbedingungen geschaffen werden für eine offene Jugendarbeit.
Noch sehr verhalten wurde das Gemeindehaus geöffnet, um auch einen wettergeschützten Treff anbieten zu können – mehr als ein trostlos heruntergekommener Raum war es nicht. Es wurden immer mehr Jugendliche, mehr Treffs – und der Pfarrer wurde zum unaufhörlichen Pendler zwischen Kirchenplatz- Gemeindehaus- und Schreibtisch.
Wie dem Ganzen eine strukturierte und vor allem betreute Form geben? Das war die große Frage, der sich der Kirchenvorstand annahm.
Mit Angela Auernheimer wurde eine Jugendbetreuerin eingestellt, - immer wieder übernehmen Jugendliche bis heute auch selbst Verantwortung, bilden sich fort um einen Jugendleiterschein zu machen, - der heruntergekommene Jugendraum wurde renoviert und um zwei Räume erweitert, neue Einrichtung angeschafft, der Turn- und Yoga-Raum mit einer Spiegelwand für Tanz- und Bewegungsgruppen ausgestattet.


Die nachhaltige Finanzierung konnte gesichert werden durch langfristige Förderung der Stadt Fürth und den zu diesem Zweck gegründeten Förderkreis Jugendarbeit, deren Mitglieder sich freiwillig zu regelmäßigen Spenden verpflichtet haben.
Das Angebot der Jugendarbeit ist breit gefächert: offene Treffs, Kreativwerkstatt, Tanzgruppen, Freizeiten, After-School-Treff, Partys, Lesenächte…. Auch die gemeindliche Fußballmannschaft, die Löhekicker, hat 2001 in der Jugendarbeit ihren Anfang genommen.

Rund um die Kirche

Im letzten Jahrzehnt gab es keine neuen Bauvorhaben, jedoch einige Erneuerungen und Instandsetzungen in der Kirche. So wurden zwischen 2001 und 2003 die kompletten Bankheizungen erneuert inklusiv der Steuerungs- und Sicherungsanlage, die Bänke und Stühle wurden mit neuen Auflagen versehen. Die Faltwand der Rückseite wurde durch eine Glaswand ersetzt um mehr Licht hereinzulassen und auf diese Weise einen Spiel-Raum zu gewinnen, der es auch Eltern mit lebhaften Kindern möglich macht, den Gottesdienst zu besuchen. Desweiteren wurde die bis dahin im dunkeln liegende Altarwand durch zwei neue Scheinwerfer zum erstrahlen gebracht. Der Konfirmandenjahrgang 2001 spendete eine Kerzenbank für die Konfi-Kerzen, der im Jahr 2009 eine etwas kleinere folgte zum Abstellen von Teelichtern in der Andachts- und Meditationsecke am Taufstein. Die erste Kirchenbank wurde entfernt, um den Altarraum zu vergrößern. Nur an Weihnachten und an Konfirmationen wird sie wieder aufgebaut. Einen neuen Gesangbuchwagen im November 2005 und entsprechende Regale auf der Empore verdanken wir Peter Ziegler und seinem handwerklichen Geschick. Durch die Einführung des Kinderabendmahls wurde ein dritter Abendmahlskelch für Traubensaft in Auftrag gegeben bei Goldschmied Sachrau in Fürth. 2007 wurde ein neuer Altarteppich verlegt. Im Februar 2008 musste die Turmuhrsteuerung nach einem Blitzschaden erneuert werden.
Auch der Kirchenplatz hat an Farbe und Gemütlichkeit gewonnen durch bepflanzte Terrakotta-Kübel im Sommer und neue Sitzbänke rund um den Brunnen. Für die kleinen Besucher wurde der Spielgarten neben der Kirche mit neuem Spielturm ausgestattet.

Von Personen

Die verstorbenen Horst Sondershaus und Irmgard Engel wurden im voranstehenden Chronikabschnitt durch Pfarrer i.R. Gußmann bereits gewürdigt. Abschied nehmen mussten wir aber auch von Renate Ottenberg im April 2003. Über 20 Jahre hat sie als Kirchenvorsteherin die Gemeinde mit geprägt in ihrer ruhigen und hilfsbereiten Art, mit ihrem vielfältigen Engagement und Einsatz.
Im Pfarramt gab es im Januar 2010 einen Wechsel durch den Ruhestand von Brigitte Gries nach über 31 Jahren Dienst als Pfarramtssekretärin. Caroline Badersbach wurde ihre kompetente Nachfolgerin.
Nach über 20 Jahren hat unsere Mesnerin Mariana Göttfert im April 2010 ihren Dienst beendet. Ulli Brandstätter hat das Mesneramt auf ehrenamtlichen Basis übernommen, unterstützt vom Kirchenvorstand.

Chronologisches Allerlei

seit Dezember 2000: Weihnachtsbäume für de Kirche werden gestiftet aus Gärten von Gemeindegliedern und von der FFW-Ronhof gefällt und aufgestellt
2001__Kirche: Spielraum für Familien, Vergrößerung des Altarraumes, neue Kerzenbank, Ausleuchtung der Altarwand.
März 2001__ Gründung der Löhekicker
26.Sept.2001__ 10 Jahre Diakonieverein
Nov. 2001___ Gründung „Förderkreis Jugendarbeit“, Angela Auernheimer wird Jugendbetreuerin
seit 25. Nov. 2000__ Reinhard Brandstätter ist Vertrauensmann des Kirchenvorstandes
Dez. 2001__erstes Weihnachtskrippenspiel auf dem Kirchenplatz mit Theatergruppe
2002__ Kirche: neue Heizung, Steuerungs- und Sicherungsanlage, neue Bankpolster
14. März 2001__Gründung unserer Theatergruppe durch KV Jürgen Böhmetzrieder
Mai 2002__ Irina Schlosser wird Reinigungskraft im Gemeindehaus
März-April 2002__Renovierung und Erweiterung der Jugendräume
16. Sept. 2002__ 25 Jahre Posaunenchor (Jubiläumskonzert am 2. Advent 2002)
29. Sept. 2002__ + Horst Sondershaus, Kirchenvorsteher
ab 2003__ Ökumenische Andachten im Seniorenwohnheim „Im Ronhof“
12. April 2003__ + Renate Ottenberg, Kirchenvorsteherin
ab Juni 2003__ Theatergruppe spielt über Jahre erfolgreich im Gwäxhaus Zwanzger (später Strobel)
Sept. 2003__ neue Bänke auf dem Kirchenplatz
2.Okt. 2003__ +Pfarrer i.R. Reinhold Autenrieth
Juni 2004__ neues Logo der Kirchengemeinde
7. März 2005__ + Irmgard Engel, Organistin
Erntedank 2005__ neuer Abendmahlskelch
Ostern 2007__ Osterbrunnenteam: Frau Göttfert, Frau Vanek, Frau Hofmann, Frau Fibranz, Frau Hofmeister-Kolb, Frau Künzel und das frische Grün aus dem Garten von Familie Keimel.
Juni 2007__ Jens Brandstätter wird Hausmeister
16.12.2007 Jubiläumskonzert „30 Jahre Posaunenchor“
Januar 2008__ Abschied von Chorleiter Axel Lehmann
April 2008____Petra Gruner wird neue Chorleiterin
Sept. 2008__ Löhekicker werden Eichenkreuzmeister
Dez. 2008__ Monatsgruß bekommt neues Layout
April 2009__ Löhekicker werden Bayerischer EK-Hallenmeister
Sept. 2009__ 70. Orgeljubiläum von Kurt Engel;
aus Frauenkreis und Frauentreff wird Frauenrunde
Okt. 2009__ neuer Spielgarten neben der Kirche
Jan. 2010__ Abschied von Brigitte Gries und Anfang von Caroline Badersbach als Pfarramtssekretärin
April 2010__ Mesnerin Mariana Göttfert beendet ihren Dienst, Nachfolge tritt ehrenamtlich Ulli Brandstätter an
Sept. 2010___50-Jahre-Löhekirche, großes Fest, Theater in der Kirche: Der fränkische Jedermann
Advent 2010__ 25 Jahre Kleinchor
Januar 2011__ Martina Adami wird Pfarramtssekretärin, Caroline Badersbach bekommt eine ganze Stelle im Kirchensteueramt





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Wilhelm-Löhe-Gedächtniskirche, Emdener Straße 6, 90765 Fürth, Tel: 0911/79 06 213, mail: pfarramt@loehekirche.de